Prag – Städtereise Tag 1


Freitag, 1. April 2016. Das Datum machte seinen Namen alle Ehre, denn als wir von Berlin aus 2 Stunden unterwegs waren, fing es kurz vor der tschechischen Grenze an zu schneien! Wir holten unsere Maut-Vignette (ca. 12 Euro für 10 Tage) also im dichtesten Schneegestöber ab. Mein Mann war nur im Hoodie unterwegs, da der Wetterbericht sowohl für Berlin wie auch Prag strahlenden Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen um die 15-17 Grad versprochen hatte.
Doch zum Glück klarte das Wetter schnell auf, nachdem wir den Tunnel hinter dem Grenzübergang hinter uns gelassen hatten. Bis nach Prag ging es dann über Land, auch wenn einige dieser Straßen als Autobahn ausgeschrieben waren, durch eine schöne hügelige Landschaft. Die Fahrzeit von Berlin betrug auch genau 4 Stunden. Wenn wir nicht im Einkaufszentrum (Obchodní centrum Letňany) vor der Stadt schon mal erste Verpflegung eingekauft hätten, wären wir auch pünktlich zu unserem Apartment gekommen.

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Mit einiger Verspätung kamen wir dann in der Prager Neustadt an, wo wir über Booking.com ein Apartment für 3 Personen gebucht hatten. Wir waren ziemlich begeistert, dass wir statt des einen Zimmers ein riesiges Apartment mit 4 Zimmern, Küche, Bad vorfanden. Der Vermieter war furchtbar nett, erklärte uns alles mögliche auf Englisch und gab Tipps wo man einkehren könnte. Nur die Parkplatz-Situation in Prag ist eine Katastrophe! Die Straßen sind so eng, dass kaum Platz für Autos ist und die wenigen Parkplätze in der Stadt waren eigentlich immer belegt. Zum Glück konnte unser Vermieter uns einen Parkplatz zuweisen, auf dem unser Auto dann auch das ganze Wochenende verblieb.

Nachdem wir uns erfrischt und eine Kleinigkeit aus unseren frisch erworbenen Vorräten gegessen hatten (hm, leckere Salz-Kümmel-Hörnchen!), machten wir uns auf den Weg zu unserer ersten Erkundungstour. Entgegen unserer sonstige Reisegewohnheiten hatten wir keine großen Pläne gemacht, was wir uns in welcher Reihenfolge anschauen würden. Wir schlenderten einfach drauf los, liefen dann entsprechend auch ein paar mal im Kreis, aber entdeckten dadurch viele spannende Eckchen auf unserem Weg von der Neustadt in die Altstadt.

Da meine letzte Pragreise über 20 Jahre her ist, hatte ich keine konkreten Erinnerungen wie wir damals gelaufen sind, nur die touristischen Ziele sind noch in der Erinnerung geblieben.

Das erste, das mir auffiel war, dass unglaublich viele Menschen in der Stadt unterwegs sind. Wenn das Frühjahr wirklich die empfohlene Reisezeit für Prag ist, weil da noch nicht so viele Touristen dort wären, dann möchte ich nicht wissen, wie es im Sommer in der Stadt aussieht! Möglicherweise lag es aber auch an Ostern, dass so viele Menschen dort waren. Die ganze Stadt und vor allem die Plätze standen voll mit Osterbüdchen, an den Bäumen hingen Ostereier und Schleifen und überall roch es nach süßen und herzhaften Köstlichkeiten, die auf den Ostermärkten feilgeboten wurden. Leider war damit die freie Sicht auf die Häuser etwas eingeschränkt. Aber egal, man kann nicht alles haben.

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Kafka Büste

Unser erster Weg führte und von der Prager Neustadt in Richtung Wenzelsplatz. Da wir nicht die Hauptstraße nahmen, sondern die verwinkelten Nebenstraßen, wussten wir nur die ungefähre Himmelsrichtung und kamen schließlich an der Kafka Büste (Socha Kafka), dem sich drehenden und in 42 Scheiben geschnittenen Kopf Kafkas heraus. Das Objekt ist ziemlich neu (von 2014) und wurde von David Černý gestaltet. Es steht auf dem Platz vor dem Einkaufszentrum OC Quadrio an der Metrostation Národní třída. Kafka wollte jedoch nichts mit uns zu tun haben und drehte sich immer weg …

Weiter ging es in Richtung Wenzelsplatz (Václavské náměstí). Der 750 Meter lange Platz im Herzen Prags ist von wunderschönen alten Häusern aus den verschiedensten Jahrhunderten und architektonischen Stilrichtungen gesäumt. Von Osten her schaut der heilige Wenzel auf seinem Ross über den Platz. Im Hintergrund befindet sich das zur Zeit leider eingerüstete National-Museum.

 

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Mitten auf dem Platz stehen 2 ausgediente historische Straßenbahnen, die auf den alten Verlauf der Straßenbahnlinien verweisen. Sie dienen als Café und waren gut besucht.

Das Grand Hotel Europa ist das wahrscheinlich auffälligste Haus am Platz. Leider sind die besten Zeiten des Jugendstilhotels vorbei. Es ist insolvent und somit geschlossen. Die untere Etage ist mit Pressspanplatten verbarrikadiert. Schade, ich hätte es gerne von innen gesehen.

Prag2016_DSC1028Wenn man die Jindřišská hochgeht in Richtung Heinrichsturm (Jindřišská věž) kann man auf der linken Seite sehen, wie in Prag das Parkplatzproblem gelöst wird: man stapelt die Autos einfach Parterre in den Altbauten der Stadt, die zu Parklift Garagen umgebaut sind.

Im gotischen Heinrichsturm befinden sich Restaurants und Cafés und man kann von oben über die Stadt schauen.

Weiter geht es die Senovážná hinauf zum Platz der Republik, wo man das Prager Gemeindehaus (Obecní dům) findet in dem verschiedene Ausstellungen und auch Konzerte stattfinden. Gleich daneben ist der mittelalterliche Pulverturm (Prašná brána), in dem, wie sein Name vermuten lässt, bis ins späte 17. Jh. Schwarzpulver gelagert wurde.

Prag2016_DSC1057Wenn man durch den Fuß des Pulvertums hindurchgeht und gleich danach rechts abbiegt in die U Prašné brány kommt man vorbei am Hotel Paris (U Obecního domu 1). Der wunderschöne Jugendstil-Bau mit herrlichen Wandbemalungen und tollen Wasserspeiern auf dem Dach ist den kleinen Abstecher von der Hauptstraße alle mal wert. Von dort ging es dann vorbei an der Prager Börse (Burza cenných papírů Praha) auf der Rybná und der Basilika des St. Jakobus des Älteren (Bazilika svatého Jakuba Většího) quer durch diverse Hinterhöfe weiter zum Altstädter Ring.

 

Unsere Route durch die Altstadt: https://goo.gl/maps/hYtkVshXhr62

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Auf dem Altstädter Ring herrschte wieder ein reges Ostermarkttreiben, so dass die ungestörte Sicht auf die vielen interessanten Gebäude etwas getrübt war. Mittendrin das Jan-Hus-Denkmal, drum herum Teynkirche, St. Nikolaus-Kirche, Palais Kinsky, das Haus zur steinernen Glocke und das wichtigste, das Altstädter Rathaus mit der Astronomischen Aposteluhr (Orloj).

Tagsüber zu jeder vollen Stunde schlägt der Tod die Glocke und die 12 Apostel erscheinen in den 2 Fenstern. Zum Abschluss kräht der Hahn und Gevatter Tod dreht sein Stundenglas.

Inzwischen sind alle Figuren der Uhr und auch Statuen an anderen Stellen der Stadt mit Netzen vor Tauben geschützt. Zu meiner Jugend konnte man sie noch ohne bewundern.

Astronomische Aposteluhr auf dem Altstädter Ring in Prag

Der Turm der Aposteluhr ist inzwischen auch begehbar. Und rund um das Rathaus gibt es jede Menge schöner Verzierungen an den Hauswänden und Türen. Die ganzen hübschen Gargoyles, Heiligen und Dämonen, werde ich hier nach dem 3 Reisetag noch genauer beschreiben.

Am frühen Abend erreichten wir dann die Karlsbrücke. Bei schönster Sonnenuntergangsatmosphäre konnten wir wenig später diese Hauptattraktion Prags bewundern. Leider teilten wir das Vergnügen mit Unmengen von Menschen, was es recht schwierig machte, gute Aufnahmen der Statuen zu machen. Abgesehen davon ist zu der Zeit auch das Licht recht ungünstig, wenn man von der Ostseite kommt. Dafür wird man kurze Zeit später von sanftem Sonnenuntergangslicht belohnt, wenn die Sonne hinter dem Hradschin untergeht.

Die Karlsbrücke (Karlův most) verbindet die Altstadt mit der Kleinseite, dem Stadtteil am Fuße der Burg. Wer auf der Brücke steht und die Moldau hinunterschaut, wird unweigerlich an Die Moldau (Vltava) von Smetana denken müssen.

Prag2016_DSC1175Unzählige Künstler und Straßenmusiker stehen links und rechts der Brücke. Auf der Kleinseite haben wir, aus einem Kanal kommend, sogar einen echten venezianischen Gondoliere fahren sehen. Wir schlenderten noch bis zum Kleinseiter Ring (Malostranské náměstí), eigentlich mit dem Vorhaben, mit der Straßenbahn zurück zu unserem Quartier zu fahren. Da wir jedoch nicht genügend Kleingeld für den Automaten hatten, spazierten wie einfach gemütlich zurück über die Karlsbrücke, auf der inzwischen die Lichter angegangen waren, an der Moldau entlang nach Süden in die Neustadt zu unserem Quartier. Obwohl schon alles in Laufreichweite war, taten mir meine Füße so weh wie lange nicht mehr.

Wir kehrten zu sehr später Stunde noch in ein Restaurant um die Ecke ein, das U Matěje Kotrby. Ich bestellte Svíčková (Lendenbraten), mein Mann und mein Sohn Gulasch. Das Gute vorweg, die Knödel waren wirklich selbstgemacht und nicht aus dem Supermark, auch die Soße war sehr lecker und kam meinen Erinnerungen aus Kindertagen am nächsten. Nur das Fleisch musste man mit der Lupe suchen. Zwei 2-Euro-Stückchen große Fleischstückchen versteckten sich geradezu in der Soße. Man konnte kaum den Geschmack feststellen. Das war echt ein bisschen arm. Ebenso ging es meinen Männern mit dem Gulasch. Auch da wurde am Fleisch gespart, 2-3 Stückchen, das war es. Schade, denn geschmacklich wäre das Lokal an diesem Wochenende sonst noch am ehesten an eine Empfehlung heran gekommen, denn auch die anderen beiden Lokale an diesem Wochenende erwiesen sich als nicht wirklich berauschend. Die junge männliche Bedienung war freundlich und sprach Englisch und auch ein kleines bisschen Deutsch. Die Wartezeit war okay.

Nach diesem schnellen Abendbrot, ging es ab ins Apartment und ins Bett, wo ich schneller eingeschlafen war als ich die Augen zumachen konnte. 😉

Unsere Tagesroute: https://goo.gl/maps/XjAzgtf98SH2

 

 

Weitere Fotos gibt es auf Flickr: https://flic.kr/s/aHskxB6w5X

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